Fair Trade Gold oder doch lieber recyceltes Silber für die Eheringe?

Wie man mit gutem Gewissen Verlobungsring und Eheringe aus Gold und Silber fair gehandelt oder neu aufbereitet bekommen kann.

Ob glänzend oder matt, silber oder gold, schlicht oder glamourös, die Eheringe aus Gold oder Silber gehören einfach zu einer Hochzeit dazu – aber bitte mit Siegel! In diesem Blogartikel erfährst du was das Fair Trade Gütesiegel überhaupt bedeutet und was den Unterschied zwischen Recycling und Upcycling bei Silber und Gold ausmacht.

Fair gehandelte Trauringe aus Gold und Silber: Der ethische Anspruch gewinnt immer mehr Befürworter.

Egal ob Standesamt, Kirche oder freie Trauung: Für viele ist der Ringtausch immer noch eines der beliebtesten und wichtigsten Rituale, wenn es um die Trauzeremonie geht.

Was man den Ringen jedoch nicht ansehen kann, wenn man sie beim Juwelier anprobiert, ist die lange Reise die sie bereits zurückgelegt haben.

Die Ringe können Gold aus Indonesien, Ghana, Südafrika oder Peru enthalten und in China gefertigt worden sein. Verziert sind sie vielleicht mit Diamanten aus Madagaskar, die in Thailand geschliffen wurden.

Deshalb entscheiden sich immer mehr Brautpaare für faire Ehe- und Verlobungsringe, denn der Bund der Ehe soll ja schließlich nicht zu Lasten von Arbeitskräften in Goldminen begründet werden.

Es ist nicht alles Gold und Silber, was glänzt: Ausbeutung von Mensch und Natur!

Der Gold- & Silber-Abbau wird zu Lasten der Umwelt ausgetragen. Zudem fördert der Abbau Menschenhandel und unmenschliche Arbeitsbedingungen im Minenbau.

Das Ausbeuten der Arbeitskräfte in den Goldminen, die häufig aus den sogenannten „Dritte Welt“ Ländern kommen ist leider mehr die Regel, als die Ausnahme.

Die Minenarbeiter sehen von den Profiten nicht all zu viel. Dieser wandert meist direkt in die Taschen von großen Konzernen und Händlern, die für miserable Arbeitsbedingungen in den Herkunftsregionen verantwortlich sind.

Doch die Belastung ist weit umfassender als nur finanzieller Art. Die Arbeiter sind schweren sozialen Missständen ausgesetzt; Menschenhandel, Kinderarbeit und arbeiten mit hochgiftigen Chemikalien ohne Schutzkleidung sind nur wenige Beispiele. 

Regenwälder werden abgeholzt, um an die Goldschätze der Natur zu gelangen, was rein ethisch betrachtet nicht zu vertreten ist. Ebenso erfolgt die Entsorgung der giftigen Chemikalien meist auf illegale Weise und gelangt unkontrolliert in die Umwelt und darüber auch in unsere Nahrung.

Oft befinden sich die Goldminen in Bürgerkriegsregionen, was die Gefahr von intransparenten Geldströmen und Korruption verstärkt. Teilweise finanzieren sich Rebellengruppen oder Diktatoren mit dem Gold- und Silber Abbau und bereichern sich an deren Profiten.

Wie wird „normales“ Gold und Silber abgebaut?

Die übliche Edelmetall Gewinnung nutzt hauptsächlich zwei Hilfsmittel:

  1. Quecksilber
  2. Cyanid

Man muss nicht viel von Chemie verstehen, um zu ahnen, dass diese beiden Substanzen nichts Gutes bedeuten. 

Beide Chemikalien sind hochgiftig und beeinträchtigen sowohl Umwelt als auch die Menschheit, sofern die Entsorgung der Giftstoffe nicht unter strengen Vorschriften erfolgt. Die Chemikalien gelangen in Gewässer von dort aus ist kaum kontrollierbar, wie sie sich ausbreiten.

Diese Methoden werden leider immer noch gepflegt. Doch es gibt auch ökologisch und sozial gerechte Alternativen.

Labels Or Love: Von „Fair Trade Gold“ bis „Bio Gold“

„Fair Trade“, „Bio“ oder „Konfliktfrei“.

Solche oder ähnliche Labels geben dem Käufer das gute Gefühl, dass er mit seinem Gold- und Silberkauf umweltbewusst und sozial verantwortungsvoll handelt. Doch wie aussagekräftig sind solche Etikettierungen?

Ist mein Gold oder Silber automatisch „unfair“, wenn es kein Gütesiegel vorzuweisen hat?

Zunächst einmal gibt es eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen „Fair Trade Gold“ und den anderen beiden Varianten „Bio Gold“ bzw. „Faires Gold“, welche als Synonyme ein und dasselbe beschreiben.

Fair Trade Gütesiegel

Bei Fairtrade Gold oder Silber handelt es sich um Edelmetalle, die durch die Marke „FairTrade“ zertifiziert werden. 

Das Siegel sieht so aus; und ist dir sicher schon mal auf Produkten wie Kaffee, Tee oder Schokolade aufgefallen.

Das Siegel bietet eine lückenlose Lieferkette von der Gewinnung des Goldes, bis zur Verarbeitung durch Juweliere und Goldschmiede. 

Fair Trade ist eine unabhängige Initiative zur Förderung des fairen Handels. Sie verbindet Konsument und Produzent durch die „Fairtrade Standards“. 

Diese Standards beinhalten Vorgaben wie Mindestlöhne, Prämien und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Arbeitskräfte in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Das Siegel wird nur unter diesen und weiteren Richtlinien erteilt und anschließend auch streng kontrolliert.

So auch im Bereich Diamantenhandel.

Wichtige Bestandteile der “Fairtrade Standards”:

  • Keine Kinderarbeit
  • Kein Menschenhandel
  • Arbeitsschutzkleidung
  • Keine Umweltverschmutzung (z.B. Entsorgung der Chemikalien in Gewässern)
  • Sauberes Trinkwasser und Sanitäranlagen für die Minenarbeiter
  • Einsatz von gefährlichen Chemikalien soll so gering wie Möglich gehalten werden
  • Gesundheits- und Arbeitsschutzmaßnahmen
  • Faire Löhne

Auf alleinstehende Bezeichnungen wie „sozial“, „fair“, „grün“, „konfliktfrei“, „nachhaltig“, „bio“ oder „umweltverträglich“ sollte man sich also nicht blind verlassen, denn es gibt keine gesetzlich geregelte Definition dieser Begriffen im Zusammenhang mit Gold- und Silberabbau.

Mit dem „Fair Trade Gold“ Gütesiegel hat man somit die Sicherheit, dass der gekaufte Ring aus sozial vertretbarem Goldabbau stammt.

Fakten auf einen Blick:

  • Der Gold- und Silberabbau weist sozial unvertretbare Missstände auf
  • Der Gold- und Silberabbau ist mit hochgiftigen Chemikalien verbunden
  • Vom Abbau bis in den Juwelier legt das Edelmetall einen langen Weg zurück
  • Zurückverfolgen lässt sich der sozial- und ökologisch vertretbare Gold- und Silberabbau nur durch Zertifizierungen, wie Fair Trade.
  • Unabhängige Organisationen wie Fair Trade setzen sich für die sozialen und ökologischen Aspekte bei Minenarbeiten ein
  • Die Zertifizierung gibt einem die Gewissheit, dass man mit dem Kauf der Ehe- oder Verlobungsringe etwas Gutes getan hat

Gold- und Silber Recycling

Was genau ist Gold- und Silber Recycling?

Gold- und Silber Recycling bezeichnet die Gewinnung von Gold und Silber aus verarbeiteten Gold- und Silberhaltigen Produkten. 

Kurz gesagt werden bereits gewonnene Materialien erneut aufbereitet.

Im Vergleich zum Goldabbau, weist Recycling eine deutlich bessere Umwelt- und Sozialbilanz auf. Denn es müssen keine neuen Bodenschätze aus der Erde geholt werden. Die Natur bleibt unberührt und der Aufwand an Arbeit, Energie und Wasser ist vergleichsweise gering.

Woher kommt recyceltes Gold und Silber?

Für die Wiedergewinnung und Aufbereitung der Edelmetalle Gold und Silber sind Scheideanstalten zuständig.

Als recycelt gilt Altgold und Altsilber nur dann, wenn es Verkäufer und Ankäufer gibt. 

Verkäufer sind Privatpersonen oder Industrien und Abnehmer sind die zuständigen Scheideanstalten.

Ein wesentliche Faktor, der das Angebot an Altgold und Altsilber beeinflusst, ist der aktuelle Gold- und Silberpreis. Je mehr man für sein Altgold bekommt, desto größer ist das Angebot auf dem Markt.

Abnehmer von recyceltem Gold und Silber sind zum Beispiel Goldschmiede, die daraus neuen Gold- und Silberschmuck herstellen. Natürlich auch Ehe- und Verlobungsringe.

Wie funktioniert Gold- und Silberrecycling? – Das Verfahren:

Die Scheideanstalten wenden unterschiedliche Verfahren an, um Gold oder Silber zurück zu gewinnen. Teilweise kommen auch mehrere Verfahren nacheinander zum Einsatz.

  • Bei der mechanischen Aufbereitung wird das Altgold geschreddert, gemahlen und gesiebt, um eine homogene Struktur zu erhalten.
  • Das Pyrolyseverfahren besteht aus einer Kombination aus Veraschung des Scheidguts bei hohen Temperaturen und anschließender Einschmelzung.
  • Beim nasschemischen oder Aufschlussverfahren wird das Gold zunächst mit einer Salz- und Salpetersäuremischung gelöst, dann mit Schwefeldioxid reduziert und schließlich mittels Elektrolyse isoliert.

Vor- und Nachteile von recyceltem Silber

  • Man kann die Herkunft nicht zurückverfolgen, demnach kann man keine Fair Trade Zertifizierung auf Altgold erhalten.
  • Selbst wenn das Altgold als Fairtrade gelabelt war, wird dieses zusammen mit anderem Altgold gemischt und neugewonnen. Somit geht die Etikettierung beim Recyclingprozess verloren.
  • Es bestehen keine Qualitätsunterschiede zwischen Minengold und recyceltem Gold.
  • Die Prozesse der Neugewinnung von Gold werden eingespart, da das Gold ja bereits existiert. Dadurch wird die Umwelt geschont.

Gold- und Silber Upcycling

eheringe nachhaltig

Was genau ist Gold und Silber Upcycling?

Wenn der Verbraucher, in diesem Falle das Brautpaar, seinen alten Gold- oder Silberring zum Juwelier bringt, um sich daraus Eheringe oder einen Verlobungsring anfertigen zu lassen, handelt es sich streng genommen nicht um Gold- oder Silberrecycling, sondern um Upcycling.

Dieses Verfahren wird insbesondere bei der Wahl der Trauringe in Anspruch genommen, denn die emotionale Verbindung, die man zu den alten Schmuckstücken hat, spielt dabei eine wesentliche Rolle. 

Viele Brautpaare kommen mit geerbten Schmuckstücken zum Juwelier, um diese einschmelzen und neu aufbereiten zu lassen. Beispielsweise die Eheringe der Großeltern.

Wie funktioniert Gold- und Silber Upcycling? Das Verfahren:

Im persönlichen Gespräch begutachtet der Juwelier oder Goldschmied die mitgebrachten Schätze und ermitteln den finanziellen und emotionalen Wert der einzelnen Stücke. 

Anschließend wird über die Möglichkeiten beraten.

Entweder wird ein „alter Ring“ repariert und somit die Lebensdauer verlängert und der emotionale Wert erhalten oder es wird empfohlen den Schmuck dem Recycling zuzuführen. 

Sollte sich der eigene Schmuck nicht mehr zum Upcycling eigenen möchte man vielleicht den Schmuck über das Recycling aufbereitet bekommen. Aber natürlich seinen eigenen Schmuck.

Wenn jedoch eine Goldschmiede das Altgold zum Aufbereiten an eine Scheideanstalt weitergibt, bekommt der Goldschmied nicht ein und dasselbe Gold zurück, sondern anderes Gold in entsprechender Menge, da das Gold nicht aus einem einzigen Prozess stammt.

Um dies zu vermeiden, können manche Goldschmiede oder Juweliere folgende Alternative anbieten:

Sofern der Goldschmied eine Kooperation mit einer Naturalscheide hat, können diese mit Hilfe eines Edelmetall-Scheidegerätes die gesonderte Scheidung in kleinem Maßstab ermöglichen. Bis zu 100 Gramm Feingold können z.B. direkt aus Familienschmuck gewonnen und direkt für den Kunden zu neuen Schmuckstücken verarbeitet werden.

Vor- und Nachteile:

  • Der persönliche und emotionale Wert bleibt erhalten
  • Nicht jedes Erbgut kann neu aufbereitet werden, es hängt stark vom Zustand des Ringes ab
  • Die Prozesse der Neugewinnung und des Recycling werden eingespart. Somit ist das Upcycling die umweltfreundlichste Alternative.
  • Bei geerbten Schmuckstücken kann man die Herkunft teilweise auch nicht mehr zurückverfolgen und somit nicht sicherstellen, dass es sich hierbei um Fair Trade Gold oder Silber handelt.

Zusammenfassend:

  • Recycling: (Metalle werden geschmolzen, geschieden und aufbereitet)
  • Upcycling: (gebrauchter Schmuck wird eingearbeitet ohne seinen Charakter zu verlieren)

Kostenfaktor für fairtrade Eheringe

Wie entsteht eigentlich der Preis eines Eheringes?

Grundsätzlich sind die Preise eines Eheringes natürlich individuell. Je nachdem was man sich vorstellt und wie speziell die Wünsche sind ist nach oben hin natürlich keine Grenze.

Zum einen ist das Abhängig von dem aktuellen Goldpreis und zum anderen von der Arbeitszeit des Goldschmiedes.

Im Durchschnitt kann man sagen, dass Fairtrade Eheringe ca. 15-30% teurer sind als unkonventionell gefördertes Gold.

Der Preisunterschied hat mehrere Gründe. Zum einen wird eine Prämie für Fairtrade Gold an die Minen gezahlt und zum anderen gibt es eine Lizenzgebühr für die Logo-Nutzung die, die Fairtrade Organisation berechnet. 

Außerdem ist Fairtrade Gold natürlich nur „begrenzt“ verfügbar, da die Bedingungen für Minen streng sind und somit das Angebot an unkonventionellem Gold viel höher ist. 

Das Fairtrade Gold behält seinen Wert dafür bei. Sollte man seine Eheringe eines Tages vererben, ist der Wert eines Fairtrade Ringes natürlich immer noch höher, als der von „normalem“ Gold.

Wie gehe ich beim Kauf der Eheringe oder des Verlobungsringes vor?

Als Brautpaar sollten man sich beim Juwelier, im Kaufhaus oder in der Goldschmiede erkunden, woher die Trauringe oder der Verlobungsring kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden.

Über den „Gold-Finder“ von Fairtrade Deutschland kann man nach fairem Schmuck in der eigenen Region suchen: https://www.fairtrade-deutschland.de/einkaufen/gold-finder/juweliere.html

Auch wenn fair gehandeltes Gold etwas teurer ist, sollte man die Möglichkeiten, die man als Käufer hat, nicht unterschätzen. 

Märkte reagieren auf Nachfragen, wie auch auf den Druck öffentlicher Meinungen. 

Wenn du wählen kannst, wähle das Beste.

Buddhistische Weisheit

Fazit: Für welche Eheringe sollte man sich entscheiden?

Siegel können ein Schritt in die richtige Richtung sein. 

Für den Käufer ist dadurch klar erkenntlich, welches Gold und Silber er problemlos kaufen kann, ohne intensive Recherche im Vorfeld betreiben zu müssen.

Durch die Zertifizierung von Goldprodukten wird so allerdings schnell vermutet, dass Gold, welches kein Siegel trägt, automatisch „schmutziges“ Gold sei.

Es gibt auch Goldprodukte aus industrialisierten Minen. Die Konzerne, die diese Minen betreiben, arbeiten nach internationalen Standards und kommen aus Ländern wie USA, Kanada oder Australien und sind somit weitestgehend unbedenklich.

Jedoch bedenklich und für den Käufer schwer zu unterscheiden sind die Kleinbergbau Minen, die nach wie vor unkontrolliert abbauen und somit als sehr kritisch einzuschätzen sind. Immerhin gehören dazu ca. 20 Millionen Minenarbeiter weltweit, die unter diesen Sektor fallen, was die Wichtigkeit dieses Themas deutlich unterstreicht. 

Mein Tipp an alle Brautpaare, die Wert auf die Herkunft ihrer Eheringe legen ist also, sich Ringe mit einer Zertifizierung wie Fair Trade zu kaufen, um auf der sicheren Seite zu sein.

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